Umgeschulte Linkshänder - die Stiefkinder der Psychologie
Als umgeschulter Linkshänder kann man unter Depressionen leiden. Muss nicht unbedingt, aber ich wage zu behaupten, dass man mit diesen Vorraussetzungen dafür anfälliger ist.
Ich kann eigentlich nicht so genau beschreiben, wie es für mich war, als ULH zu leben. Aussichtslos auf jeden Fall, irgendwie blieb alles immer statisch, nie hat sich was verändert, und alles war natürlich schlecht. Außerdem hatte ich das Gefühl, die ganze Welt wäre gegen mich, mochte mich nicht, was vielleicht darin die Ursache hatte, dass ich selber gegen mich gearbeitet habe. Als Linkshänder mit rechts zu schreiben ist nicht sehr förderlich für die Gesundheit, ob körperlich oder psychisch gesehen.
Psychologen und Therapeuten konnten mir nie helfen. Das war einerseits ein Vorurteil, weil ich mich sowieso immer unverstanden gefühlt habe, andererseits aber auch wahr, denn niemand wusste um meine Umschulungsfolgen bzw. dass ich überhaupt umgeschult war. Und immer hatte ich das Gefühl, dass ich nie zum eigentlichen Kern meiner Persönlichkeit vordringen konnte, etwas stand immer im Weg, verschleierte meine Sicht. Auch wenn nach außen hin alles gut war, hatte ich innerlich das Gefühl, zu zerbrechen. Da ist es für Psychologen und Familienmitglieder natürlich leicht, mit Pseudo-Diagnosen a la ‚Borderline Syndrom’ zu kommen.
Heute, wo ich über meine Umgeschultheit Bescheid weiß und diese so gut es geht rückgängig machen möchte, stoße ich noch auf genauso viel Unverständnis wie früher. Aber wenn man genau hinsieht, gibt es Hoffnung: Ich habe andere Betroffene gefunden, die mich verstehen, und eine Linkshandberaterin, die weiß, wovon ich rede. Zwischendurch fühle ich mich immer noch so alleine wie früher, aber wenn ich mir die Fakten und neusten Entwicklungen klarmache, weiß ich, dass ich es nicht mehr bin.