„Daran gewöhnt man sich!“ – Ach ja?
Während meines Lebens als umgeschulter Linkshänder konnte ich mich nie an irgendwas gewöhnen. So richtig aufgefallen ist mir das erst, seit ich mich rückschule und damit die Fähigkeit, mich an etwas zu gewöhnen, trainiere.
Gewöhnen, das bedeutet, man lässt etwas sein wie es ist, ohne es verbessern wollen oder daran herumzumeckern. Für (perfektionistische) Umgeschulte beinahe unmöglich.
Zu Beginn meiner Rückschulung war ich bei jemandem Zuhause, der Fahrräder im Eingangsbereich stehen hatte. Ich habe gefragt, ob das nicht stört, wenn man dauernd drum herum gehen muss. Darauf bekam ich die Antwort ‚Da gewöhnt man sich dran’, welche mir zu denken gegeben hat – denn mich würde so etwas stören. Es würde mich verrückt machen, bis ich die Fahrräder voller angestautem Gram in den Keller oder sonst wohin verbannt hätte.
Das ist jetzt ungefähr zwei Jahre her. Hat sich meine Wahrnehmung diesbezüglich geändert? Nicht vollkommen, nein. Mir ist jetzt bewusst, dass herumliegende Sachen (egal ob nun Fahrräder oder sonst was) kein Weltuntergang darstellen. Trotzdem hat mir die Rückschulung meinen Ordnungssinn nicht ausgetrieben.
Allerdings bin ich in anderen Gebieten flexibler geworden, anpassungsfähiger, kann mich eben besser an Sachen gewöhnen oder etwas, was Jahrelang gleich war und plötzlich anders ist, so akzeptieren, anstatt dass ich endlos protestiere, dass sich doch bitte nichts verändern darf.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?