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Schlaue Kinder

23. Oktober 2010 , Geschrieben von klara Veröffentlicht in #Kinder

Wenn man als Mutter für sein Kind die Diagnose "Umgeschulter Linkshänder" erhält,
stellt man sich zwangsläufig eine Menge Fragen:
Was haben wir falsch gemacht? Wieso haben wir das nicht gemerkt? Hätten wir es verhindern können?

Was aber wenn sich Kinder selbst umschulen? Ohne (bewussten) Einfluss von außen.
Was unterscheidet also umgeschulte Linkshänder-Kinder von selbst umgeschulten Linkshänder-Kindern? Gute Frage, was?

 

Ein bisschen allgemeine Theorie am Rande:
Wenn Kinder aufgrund von Komplikationen während der Geburt unter Sauerstoffmangel leiden,
kann es zu einer mangelnden Versorgung der dominanten Hirnhälfte kommen und diese
dominante Hirnhälfte braucht dann unter Umständen Jahre, bis sie wieder zum Vorschein tritt.
Wenn dann noch weitere Komplikationen in Form von Stauchungen der Halswirbel dazukommen,
kann sich das so genannte KISS Syndrom entwickeln (das bekanntermaßen auch die berüchtigten
3-Monats-Koliken auslösen).
Ebenso können auch nicht zurückgebildete frühkindliche Reflexe nicht gerade sehr förderlich sein,
wenn es darum geht, seine eigene Händigkeit zu entwickeln.

All das können Faktoren sein, die dazu führen, dass ein Kind sehr spät zu seiner eigenen

Händigkeit finden kann. Dann ist es aber möglicherweise zu spät, da die Prägung von außen

(ob nun absichtlich oder nicht) schon bereits stattgefunden hat.

Gerade clevere ULH Kinder sind sehr lange in der Lage, sich quasi durchzumogeln ohne aufzufallen.
Ihr ULH ureigener Perfektionismus zwingt sie regelrecht dazu.
Mit dem Ergebnis, dass sie erst dann auffallen, wenn es schon fast zu spät ist.

Und sich meistens durch andere Symptome äußert.
Völlig eingefahrene Strukturen, Szenarien, Bewegungsabläufe lassen sich nur sehr schwer aufbrechen.

Wie erklärt man seinem Kind also, dass es etwas tun soll, sich auf etwas einlassen soll,
von dem man die Tragweite selbst als Erwachsener kaum abschätzen kann?
Erwachsene ULHs sind sich vielleicht der Tragweite einer Entscheidung zur Rückschulung bewusst.
Aber Kinder? Mit Sicherheit nicht.
Aber wie erklärt man es also seinem cleveren Kind?
Mit einfach "So ist es. Machen. Jetzt. "  kommt da leider nicht weiter.


Und oft kommen noch andere (motorische) Probleme hinzu, die einen daran hindern das Ganzeam liebsten sofort anzugehen - weil man genau weiß dass sich sooooo vieles (mit dem tagtäglich kämpfen muss),
dann in Luft auflösen wird ....


Oft fragt man sich: "Was geht nur in diesem kleinen Hirn vor?" Und bekommt oft keine Antwort.
Das Wort Hochbegabung ist hier mit Absicht nicht benutzt worden.Die offizielle Diagnose steht noch aus.


Meine persönliche jedoch steht fest: Er ist schlauer als ich.

Bis jetzt jedenfalls .... Ich bleib dran.

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scorpion 10/31/2010 16:56


Hallo Klara,

das ist als Mutter bzw. Eltern bestimmt keine leichte Situation - wie bewege ich mein Kind zur Rückschulung, wie kann ich dies vermitteln. Auch als erwachsener umgeschulter Linkshänder (ULH) weiß
man/frau eigentlich am Anfang auch nur so ungefähr, was die Rückschulung wirklich bedeutet, alles nach sich zieht. Für mich war zum Beispiel das Gefühl und der Leitgedanke wichtig, es ist ein
Prozess und ich muss immer wieder gucken, was passiert, wie es mir dabei geht. Sicher wusste ich jedoch, dass das Umgeschultsein und die Umschulungsfolgen so nicht weiter gehen können und wenn
überhaupt, nur noch schlimmer werden. Und die vielen verschiedenen, möglichen Umschulungsfolgen können ja mittlerweile bei vielen Betroffenen und / oder auch durch Forschungen, Literatur, wie Frau
Dr. J. B. Sattlers Standardwerk "Der ULH oder Der Knoten im Gehirn", belegt werden. Dies ist vielleicht auch der Ansatzpunkt, dies Kindern erklären zu können: Denn zwar mögen sie vielleicht nicht
die Rückschulung in der Konsequenz erfassen können, aber ebensowenig ja auch die Umschulungsfolgen und das Dasein als ULH, ginge ihr Leben mit der Pseudo-Führungshand für sie so weiter. Und bei
vielen Kindern sind ja auch schon Folgen im Kindesalter sicht- und/oder spürbar, (auch für sie selbst). Wie ads/adhs-ähnliche Symptome (Konzentrationsschwierigkeiten z. B.), Müdigkeit o.
Erschöpfung und / oder als Gegenstück mangelndes "Runterkommenkönnen" usw., es müssen ja nicht gleich signifikante Lernschwierigkeiten sein. Und viele Kinder, die mit entsprechender Hilfe und
Motivation eine Rückschulung durchlaufen, sind ja sozusagen positives Beispiel. Es ist sicherlich eine Gratwanderung, hier keine "Angstmache" vor zunehmenden Umschulungsfolgen zu betreiben, aber
dennoch zu vermitteln, dies und das so weiterzumachen, kann dies oder jenes verschlimmern, dazu führen o. ä. (was natürlich leichter ist, wenn es sich schon äußerlich zeigt, aber auch innere
Prozesse lassen sich womöglich durch Bilder/bildhafte Sprache o. ä. ansprechen...). Auch die "Natur" kann vielleicht gut "herangezogen" werden, ohne als Mutter/Eltern sagen müssen, ich sage, dass
Du es so machen musst, sondern "es ist Dein eigener Köper, Deine eigene Veranlagung": Denn die Natur hat die motorische Dominanz / starke Handbenutzung von Geburt an so vorgesehen bei jedem
Menschen, manchmal kann es nur passieren, dass sie sich - aus vielen Gründen - nicht gleich so klar zeigen kann und Führungs- und Haltehand durcheinander geraten. Das fällt nach außen nicht immer
gleich auf, aber das Gehirn, woran die beiden Hände hängen, kriegt immerzu falsche Signale. Hände und Kopf spielen nicht mehr natürlich und ganz leicht, wie vorgesehen, zusammen. Es wichtig, die
Natürlichkeit zu leben und zu beachten und wieder zusammenzubringen. Vieles geht dann leichter, auch wenn es sich vielleicht zunächst ungewohnt / neu anfühlt, die linke Hand zu nehmen, es ist ja
schon ein paar Jahre mit der rechten Hand vieles nicht natürlich eingeübt. Auch innere Gefühle können sich dabei ändern, z. B. manche traurige Gefühle weggehen und (noch viel) mehr Platz für (noch
mehr)Freude, Energie, Spass usw. sein.

herzliche Grüsse, scorpion


Tanja 10/30/2010 00:16


Ja, bleib dran - wie in vielen anderen Erziehungsbereichen werden es die lieben Kleinen leider oft erst später registrieren, dass wir hier und da doch mal recht hatten. Wir waren doch auch nicht
anders, oder? Manchmal höre ich meine Mutter heute noch in meinem Kopf - gerade wenn ich vor meinen Kindern stehe - dann entschuldige ich mich manchmal in Gedanken bei ihr.

Naja - für die Rückschulung zu kämpfen lohnt sich jedenfalls. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Guter Beitrag! Liebe Grüße!