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Rückschulung - Schicht um Schicht

19. November 2011 , Geschrieben von Scorpion Veröffentlicht in #Alltag

Bei der Rückschulung auf meine linke dominante Hand geht es nicht nur darum, wieder oder neu das Schreiben und andere Dinge mit links zu erlernen. Ich durchlaufe Schritt für Schritt auch weitere Prozesse, trage Schicht um Schicht ab. Denn nach vielen Jahren oder zum Teil Jahrzehnten, wie bei mir der Fall, in denen ich durch die Pseudo-Rechtshändigkeit z. B. oftmals innerlich oder äußerlich unter Druck stand bzw. mich unter Druck fühlte, oft mehr machte als ich musste oder es nötig war oder ich schnell von vielen Dingen erschöpft war und nicht verstand, warum, denn gleichzeitig fiel mir das Meiste ziemlich leicht, fahren Körper und Seele seit der Rückschulung "runter", kommen in so etwas wie den Normalzustand, "down to earth". Das Gehirn muss motorisch-steuernd nicht mehr ständig Übersetzungsleistungen erbringen, ich lerne in einem natürlichen Modus zu leben.

 

Dies lässt auch allerlei umschulungsbedingte Überkompensationen oder übersprungsartige Verhaltensweisen u. ä. sicht- und neu fühlbar werden. Z. B. das Essverhalten: Abgesehen davon, dass wir in unseren hiesigen Breitengraden kaum noch natürlich und auch nur das essen, was wir wirklich brauchen und gut für unseren Körper ist (schon der Gedanke an unsere riesigen überladenen Supermärkte dürfte reichen, in denen wer weiß was alles in den Regalen auf uns "wartet" ...), kann das Essen für einen Menschen, der sich umschulungsfolgenbedingt körperlich und nervlich oft am Rande seiner Kräfte bzw. darüber hinaus befindet, eine prima Ersatzbefriedigung und Stresskompensation sein. Selbst wenn ich nicht an Bulimie oder Magersucht u. ä. litt, so begleitete mich jahrzehntelang ein stetes Hungergefühl und Essen war, weil ich ja ständig im Hunger- oder Appetitmodus war, unangemessen wichtig. Hier was Naschen, da ein Imbiss, während der Arbeit entweder gar nichts essen und dann Riesenportionen oder ständig was kauen. Es fehlte das Maß und wozu regelmäßige Mahlzeiten, wenn`s auch anders geht: Da ich ja schon ständig das Gefühl hatte, "mehr machen zu müssen" oder "mich anzustrengen" oder "erschöpft zu fühlen" (umschulungsbedingter erhöhter Energie- und Konzentrationsaufwand), wollte ich mir keinesfalls noch mehr Anstrengung, etwa durch garstige, anscheinend korsettartige Regelmäßigketen wie feste Essenszeiten u. ä., zumuten, igitt. Mir gings ja schon schlimm genug. Oftmals wird derart fehlgesteuertes Verhalten übrigens auch mit Essensgenuß o. Genießertum und dergleichen verwechselt, also viel oder ständiges Essen aus Streßkompensation mit "Essen nach Lust & Laune" oder "eben ein Genießer sein" u. ä., nur ist jede/r, der/die so isst / essen muss, weit davon entfernt, wirklich entspannt und frei Essen genießen zu können. Vielmehr hat das etwas Zwangshaftes an sich, leider, auch das massenweise Biosachen, vegan oder vegetarisch oder nach Mondphasen oder nach Klopfzeichen oder nach wer weiss was essen, macht das Ganze nicht besser.

 

Nachdem meine Rückschulung weiter vorangeschritten war und ich eine gewisse Stabilität gewonnen hatte, ist mir das oben Geschilderte immer bewusster und auch köperlich immer mehr zur Last statt zur Lust geworden. Die Vorzeichen haben sich sozusagen geändert.  Aus diesen und anderen gesundheitlichen Gründen habe ich mich zu einer begleiteten Stoffwechselregulation entschlossen bzw. nun auch entschließen können: Dabei lerne ich u. a., dass drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag und je Mahhzeit ein Abstand von 4-5 h - mit den für mich richtigen Zutaten - völlig ok und ausreichend sind (für mich). Ich muss weder ständig was zwischendurch essen noch eine Mahlzeit aus welchen Gründen auch immer weglassen. Ich verhungere auch nicht in den Zeiten dazwischen. Es kehrt eine weitere Stabilität und Ausgeglichenheit ein, "in der Ruhe liegt die Kraft". Essen erhält im Alltag einen adäquaten Stellenwert. Auf besondere Anlässe oder besondere Gerichte freue ich mich und kann sie dann auch wirklich genießen - denn ich kann es auch wieder loslassen. Es hat geschmeckt - und gut.

 

Diese Balance überträgt sich auch auf den übrigen Alltag, die Arbeit und alles. Es ist erstaunlich, das zu erleben, noch vor einem Jahr hätte ich das nicht für möglich gehalten. Doch es geht.

 

Mal schaun, was im 3. Jahr der Rückschulung so alles passiert. 

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Klara 11/19/2011 23:37

Hallo Du, sehr interessantes Thema.
Auch bei mir ist das Thema Essen zur Zeit eher notwendiges Übel und dann wieder kreatives Austoben in der Küche.... aber meist eher unter Zwang!
Was sich bei mir im Moment mehr und mehr einstellt, ist meine entspanntere Grundhaltung - ich sehe vieles inzwischen lockerer und lasse mich nicht mehr so leicht stressen. Und das alleine find ich
schon sehr schön!