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Erst linkshändig, dann rechtshändig?

16. September 2010 , Geschrieben von scorpion Veröffentlicht in #Kinder

Auf einem jüngst besuchten Vortrag über die Folgen umgeschulter Linkshändigkeit und wie es u. a. auch heute noch zu Umschulungen kommen kann, zeigte sich ein sehr interessanter und vermutlich entscheidender Punkt:

 

Anhand einiger Berichte von Eltern und aus den langjährigen Erfahrungen der referierenden Dipl.-Psychologin/Händigkeitsberaterin wurde deutlich, dass viele Eltern durchaus anfangs noch wahrnehmen, dass ihr Kind zuerst vermehrt die linke Hand einsetzt und z. B. anfängt, überwiegend mit der linken Hand etwas zu greifen. Mit der Zeit habe sich das dann aber "gegeben" und das Kind wurde dann rechtshändig wahrgenommen, die linke Hand trat in den Hintergrund. Fragt man dann aber nach, ob denn z. B. Gegenstände (Stofftiere, Stifte, Anziehsachen, Tassen, Besteck) neutral bzw. mittig hingehalten oder hingelegt oder das Greifen mit der linken Hand gefördert wurden, sagen wohl nicht wenige Eltern, nein, eher in die bzw. die rechte Hand (von rechts nach rechts, denn die meisten Eltern sind auch - anscheinend - rechtshändig) oder der Tisch wurde "wie allgemein üblich", also für Rechtshänder eingedeckt usw. Im Kindergarten, bei Tagesmüttern oder auch bei Großeltern wird dies dann meistens nahtlos fortgesetzt.

 

Aber genau diese "Kleinigkeiten" - summiert an einem Tag von großem Gewicht - sind es, die vor allem ganz kleine Kinder dazu bringen können, dass ihr natürlicher Impuls, die linke Hand dominierend zu benutzen, "unter den Tisch" fällt oder - wenn auch nicht bewusst - unterdrückt wird. Die Umschulung der Händigkeit nimmt ihren Lauf (im Übrigen ebenso umgekehrt möglich bei rechtshändigen Kindern, die linkshändige Eltern oder andere linkshändige Bezugspersonen haben...).

 

Es steckt kein böser Wille dahinter oder Absicht, es fehlt bis heute  einfach oft an der Bewusstheit über die Wichtigkeit und Bedeutung der Händigkeit (motorische Dominanz). Dass diese letztlich im Gehirn mit der Geburt angelegt ist und nicht rein äußerlich etwa durch "Händewechseln" geändert werden kann. Und welche z. T. gravierenden Umschulungsfolgen über die Jahre auftreten können (ein Buchtipp: Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn).

 

Eine gute Idee oder ein Ansatz, dies ins Bewusstsein zu bringen, wäre z. B., dies  bereits in den Schwangerschafts-/Elternkursen  und Erziehern, Lehrern, Ärzten und Psychologen etc. noch während des Studiums/der Ausbildung intensiv zu vermitteln. Nur dazu müsste das Bewusstsein zunächst auch an die Stellen gelangen, wo das zu vermittelnde Wissen Aufnahme in Kurse, Bücher, Lehrpläne usw. findet. Bisher leider nicht der Fall, jedenfalls noch nicht in der notwendigen Ausprägung. Immerhin dürfen linkshändige Kinder (so sie es un-umgeschult bis in die Schule geschafft haben...) heutzutage mit links schreiben lernen und immer mehr Lehrkräfte interessieren sich auch dafür, können bei der richtigen Blattlage, Stifthaltung usw. helfen.

 

Bis auf Weiteres kann daher Aufklärung wohl u. a. nur "von Mund zu Mund" und durch Eigeninitiative erfolgen, auch durch selbst Betroffene, wenn sie manchmal erst nach Jahrzehnten und/oder nicht selten nur durch Zufall darauf kommen, dass sie umgeschulte Linkshänder sind. So wie wir, die hier schreiben.

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