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„Daran gewöhnt man sich!“ – Ach ja?

25. Januar 2011 , Geschrieben von himalaya Veröffentlicht in #Alltag

 

Während meines Lebens als umgeschulter Linkshänder konnte ich mich nie an irgendwas gewöhnen. So richtig aufgefallen ist mir das erst, seit ich mich rückschule und damit die Fähigkeit, mich an etwas zu gewöhnen, trainiere.

 

Gewöhnen, das bedeutet, man lässt etwas sein wie es ist, ohne es verbessern wollen oder daran herumzumeckern. Für (perfektionistische) Umgeschulte beinahe unmöglich.

 

Zu Beginn meiner Rückschulung war ich bei jemandem Zuhause, der Fahrräder im Eingangsbereich stehen hatte. Ich habe gefragt, ob das nicht stört, wenn man dauernd drum herum gehen muss. Darauf bekam ich die Antwort ‚Da gewöhnt man sich dran’, welche mir zu denken gegeben hat – denn mich würde so etwas stören. Es würde mich verrückt machen, bis ich die Fahrräder voller angestautem Gram in den Keller oder sonst wohin verbannt hätte.

Das ist jetzt ungefähr zwei Jahre her. Hat sich meine Wahrnehmung diesbezüglich geändert? Nicht vollkommen, nein. Mir ist jetzt bewusst, dass herumliegende Sachen (egal ob nun Fahrräder oder sonst was) kein Weltuntergang darstellen. Trotzdem hat mir die Rückschulung meinen Ordnungssinn nicht ausgetrieben.

 

Allerdings bin ich in anderen Gebieten flexibler geworden, anpassungsfähiger, kann mich eben besser an Sachen gewöhnen oder etwas, was Jahrelang gleich war und plötzlich anders ist, so akzeptieren, anstatt dass ich endlos protestiere, dass sich doch bitte nichts verändern darf.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Kreuzritter 03/08/2011 14:10


Hallo himalaya,

ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Denn auch bei mir macht sich der Hang zur Perfektion bemerkbar.
Wenn ich beispielsweise Konzepte, Hausarbeiten oder ähnliche Texte schreibe, verzettele ich mich immer in kleine Details, die das Ganze perfekt machen sollen.
Wenn ich fertig bin, dann überarbeite ich alles nochmal und nochmal bis es perfekt ist. Und je öfter ich es überarbeite um so schlechter kommt es mir vor.
Ich hoffe das geht mit der Rückschulung langsam mal vorbei.

Liebe Grüße
Kreuzritter


scorpion 01/30/2011 12:27


Was mir noch auffällt, dass mir z. B. Perfektionsdränge anderer Menschen auch ganz anders auffallen und ich auch viel mehr wahrnehme, dass dies für andere (die mit diesen Drängen konfrontiert
werden), auch echt belastend sein kann. Auch wenn natürlich nicht alle "Neigungen" in diese Richtung eine "Umschulungsfolge", ihren Grund in einer Umschulung haben...


scorpion 01/26/2011 08:48


Ich merke, dass bestimmte Dinge sich aufs Wesentliche reduzieren in meiner Wahrnehmung und damit vielleicht auch so ein Gefühl von "dran gewöhnen" verbunden ist. Ich mach Sachen (wie Ordnung usw.)
jetzt mehr, wenn ich eben Zeit und Lust dazu habe bzw. weil eben besimmte Dinge irgenwann einfach zu machen sind und nicht, weil ich irgendwie - wie früher oft - einem inneren nur scheinbar
notwendigen "Bauklötzchen"-Ritus oder "Zeitabläufen" folge. Ich machs einfach und denk weniger drüber nach.

Das hat z. B. auch schon dazu geführt, dass manche Dinge sich dann auch mal "ansammeln" und erst später oder eben nach und nach erledigt werden. Positiv und neu war, dass mich dies nicht mehr
unruhig machte. Ich wusste, das klappt schon alles oder alles zu seiner Zeit - und so war es dann auch.


klara 01/25/2011 20:09


Hallo himalaya,
auch wenn ich erst seit kurzem in der RS bin, so hab ich doch jetzt schon gewisse positive Veränderungen feststellen können...
Ich bin um einiges entspannter geworden, vieles stört mich zwar immer noch, aber nicht mehr mit der Penetranz von früher, daran unbedingt sofort etwas ändern zu wollen.
Beispiel: Ich habe/hatte eine absolute Aufräum-Macke. Sachen, die nicht an ihrem Platz liegen, mach(t)en mich wahnsinng. Es stört mich heute zwar immer noch, aber ich habe nicht (mehr) den Drang,
sofort dagegen anzugehen.

Also: Ja. Auch ich habe das (schon jetzt) feststellen können.