Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
goleft.over-blog.de

Ach, Linkshänderin - der Tassenmoment

1. Mai 2010 , Geschrieben von scorpion Veröffentlicht in #Momente des Lebens

Sommer 2009, sitze in einem Entspannungskurs und halte - ganz entspannt - meine Teetasse mit links. Die Kursleiterin sieht das und sagt, ach, Du bist Linkshänderin, gut, das muss ich dann bei der folgenden Übung mit einbauen.

Bei mir machts "plopp". Ok. 

Ich hatte ca. ein 3/4 Jahr vorher schon mal übers Internet etwas zu umgeschulten Linkshändern (ULH) gefunden. Also Linkshänder (LH), die sich durch Abgucken von anderen Kindern oder Erwachsenen selbst umschulen oder die durch Beeinflussung, doch die "gute" rechte Hand zu nehmen, spätestens dann in der Schule zum Schreiben, zu Pseudo-Rechtshändern mutieren.

Problem: Im Gehirn bleibt die motorische Dominanz (bei LH rechts, bei RH links). 

Bei mir war´s wohl schon in der Krippe um meine linke Hand geschehen. Und entsprechend gut war ich äußerlich auch "auf rechtshändig" konditioniert. 

Dennoch, irgendwas stimmte nicht. Mir fiel vieles leicht, dennoch oft schnelle Erschöpfung. Komisch, seit der Kindheit. Meine Schrift - es machte einfach kein Spaß zu schreiben. Und so sah es auch aus. Und obwohl Fächer wie Deutsch etc. doch eigentlich meine Lieblingsfächer waren. Im Studium, wo ich viel schreiben musste, wurde das rechtshändige Schreiben zum einzigen Krampf. Mitschreiben in Vorlesungen, sorry, ohne mich. Klausuren schreiben, der Horror. Verbrauch von gefühlten ca. 100 Stiften, die Suche nach dem ultimativen Stift, aber umsonst. Ich suchte was, aber es war was anderes, meine linke Hand nämlich, aber das wusste ich damals noch nicht. In den letzten Jahren nur noch Fragmente von geschriebenen Worten, das buchstäbliche "nicht-mehr-Lesen-Können" der eigenen Schrift war ein Dauerzustand. Und das war an Umschulungsfolgen beleibe nicht das Einzige..., Erschöpfungen waren ja schon Gewohnheit, Wortfindungsprobleme - ok, ich dachte, es sei vielleicht ein Vor-Alzheimer-Stadium usw. ...

Klar, ich dachte immer wieder mal - schon wg. der Schrift und weil ich ja doch einiges auch mit Links machte (Sachen aufmachen, Mandarinen schälen usw.), Mann, vielleicht bin ich ja LH, selbst in meinem Umfeld vermuteten einige dies manchmal, aber es drang einfach nicht durch, vor allem, was das wirklich heisst. Und Linkshänder habe ich auch immer besonders beachtet, ja sogar bewundert, beneidet, oohh, die schreiben mit links, wie schön...

Selbst als ich noch vor dem besagten Sommer schon mal im Internet war und sogar schon den "1. Kontakt" mit einer Linkshänder-Beraterin hatte, mal anfragen, schadet ja nichts... nee, erst Mal wieder verworfen. War wohl noch nicht soweit.

Und dann DER TASSENMOMENT! 

Tja, kurz darauf bestellte ich mir eine Linkshändermaus für den PC, mal ausprobieren und es ging, leicht, fühlte sich gut an. Im Internet das Buch von Dr. J. B. Sattler "Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn" gefunden und bestellt. Erkenntnisse über Erkenntnisse. Lese meinem Mann dort die Liste vor, die einige prägnante Eigenschaften von ULHs darstellt, er soll immer nur "ja" oder "nein" sagen (also bezogen auf mich): Fast duchgängig ja. Hm. Schreibe erneut die Linkshänderberaterin vom letzten Jahr an und mache einen Test/eine Beratung bei ihr, ihr Fazit: So eindeutige Ergebnisse habe sie selten. Ob ich denn eine Rückschulung machen wolle? Für mich keine Frage, eher eine Feststellung, ja klar, deswegen bin ich ja eigentlich schon hier.  

Das ist jetzt ca. ein 3/4 Jahr her. Schreibe seitdem mit links - und es ist eine "Schrift" und macht Spass, das erste Mal in meinem Leben. Klar, Buchstaben schreiben lernen am Anfang wie ein Erstklässler im Erwachsenenalter  ist schon sehr schräg, aber schwuppdiwupp, nach ein paar Wochen ists schon einigermaßen alltagstauglich und die Entwicklung geht immer weiter..., die Schrift - sie pellt sich aus dem Ei - sagte mal jemand, genau so ist es. Stelle auch im Alltag nach und nach immer mehr auf links um (also, all das, was ich vorher noch nicht lhändig machte). Ist nicht unanstrengend. Aber das Gefühl, das ist richtig und linkshändig - ja das bin Ich, ist einfach ultimativ gut!

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post